Weizenfrei = Entzündungsfrei?

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In den letzten Jahren habe ich einiges in meinem Leben verändert und eines der einschneidendsten und in meinen Augen auch wirkungsvollsten Veränderungen war der Verzicht auf Weizen, bzw. gänzlich auf glutenhaltige Lebensmittel. 

Am einschneidendsten, da ich noch heute hin und wieder an den frischen Dinkelweckerln meiner Töchter rieche und mich wirklich und ehrlich nach einer richtig guten Pizza sehne. Am einschneidendsten auch, weil sich in so vielen Lebensmitteln Gluten versteckt. 

Aber, wie bei allem, von dem ich nachhaltig spüre, dass es mir gut tut, ist mein Wunsch, nach einem gesunden Leben auch hier wieder stärker, als meine Lust auf bestimmte Lebensmittel. 

Als ich begann mich intensiv mit meiner Erkrankung auseinanderzusetzen begegneten mir immer wieder Artikel über den Vorteil einer glutunfreien Ernährung bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen. 

Vor weg, Weizen an sich ist nichts schlechtes und wie immer, muss hier jede/r seinen eigenen Weg finden. Ich möchte aber kurz beleuchten, warum es sich nicht nur gut anfühlt, sondern mir auch sehr schlüssig erscheint, kein Weizen mehr zu mir zu nehmen. 

Weizen gehört bei uns zu den wichtigsten Kulturpflanzen unserer Zeit. Mit der fortlaufenden Ertragssteigerung, Vermeidung von Pflanzenschutzmitteln, Veränderung von Umweltbedingungen geht eine kontinuierliche Züchtung des Weizens einher, damit verbunden eine Verminderung des Nährwertes und und Erhöhung der Menge an Resistenzproteinen.

Damit verbunden kommt es zur Vermehrung der Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI), welche als Hauptauslöser der NZWS (Nicht-Zöliakie-Weizensinsibilität) gilt.

Bei der Aufnahme von ATI-haltigem Getreide (v.a. Weizen, Gerste, Dinkel, Kamut, Emmer,), in geringen Anteil auch in Buchweizen, Soja, Hirse, Einkorn, gelangen diese, auf Grund ihrer gegen eine Aufspaltung im Darm resistenten Eigenschaften weitgehend in die Darmschleimhaut. Dort entfalten sie ihr immunstimulierendes Potential. Sie stimulieren Immunzellen, binden an einen derer Rezeptoren und aktivieren auf diese Weise die Transkription eines Genabschnittes, welches zur Produktion und Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine führt. 

Geschieht dies fortlaufend, kann es zur Störung der Barrierefunktion der Darmmucosa, im Sinne eines Leaky Gut Syndroms kommen. Vereinfach ausgedrückt, der Darm wird löchrig und Bestandteile unserer Nahrung die eigentlich nicht in den Blutkreislauf übertreten sollten, gelangen über den Darm in unser Blut. 

Der daraus resultierende Übertritt von Endotoxin in den Kreislauf hat erhebliche Konsequenzen für den Organismus. Was folgt ist eine Silent Immflammation, die jeder aber vor allem Menschen mit Autoimmunerkrankungen unbedingt vermeiden sollte. Silent Inflammation sind stille Entzündungen, die häufig im Körper ablaufen, ohne das der oder die betroffene dies bemerken. Oft zeigen sich derartige Entzündungen gar nicht oder erst dann, wenn sie sich schon stark ausgebreitet haben und in unterschiedlichsten Arten und Weisen. (Bspw. durch Hautausschläge oder Ähnliches) 

Weiters führt dieser Prozess zur Erhöhung des antioxidativen und nitrosativen Stresses, welches eine mitochondriale Dysfunktion mit nachfolgender Störung des Energiestoffwechsels nach sich zieht. Erschöpfung, Leistungsabfall, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentration und Gedächtnisstörung, erhöhte Infektanfälligkeit können die Folge sein.

Glutenfrei zu leben ist in meinen Augen aber auch nur dann eine wirklich gute Lösung, wenn wir die glutenhaltigen Lebensmittel nicht durch industriell hergestellte Ersatzprodukte ersetzen, sondern größtenteils einfach auf sie verzichten oder bewusst nach qualitativ hochwertigen Alternativen suchen. Hier mache ich tatsächlich hin und wieder Ausnahmen. Wir backen glutunfreie Kekse oder es gibt hin und wieder mal glutenfreie Pizza oder Nudeln. Insgesamt habe ich diese Lebensmittel aber sehr minimiert, da auch die glutenfreien Alternativen hier meist nicht vor Nährwerten strotzen. 

Das Brot am Morgen habe ich größtenteils durch eine Gemüsepfanne ersetzt. Zudem bekomme ich bei uns im Ort selbstgebackenes glutenfreies Brot. Statt Nudeln gibt es meist Kartoffeln, Süßkartoffeln oder dunklen Reis. 

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7 Kommentare
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Christina Buchgeher
29. November 2021 9:20

Super Artikel- und auch sehr hilfreich und gut verständlich! Dürfte ich frage wo im Ort es Glutenfreies Brot gibt? 🙂 ich backe meines großteils selbst, wäre aber durchaus froh mal eine Alternative zu probieren 🙂 alles liebe und danke Christina

Elisabeth
5. Februar 2022 15:15

Hallo!
Muss sagen, bin begeistert
Das Buch wird meine nächste Lektüre!
Habe selber MS und bin mittlerweile sehr kraftlos, will mich damit auf keinen Fall abfinde; nehme jeden Strohhalm der sich mir bietet!
Nur mit der Schulmedizin steh ich auf Kriegsfuß!
Weiterhin alles Gute

Augustine Hauder
7. Februar 2022 23:42
Antworte auf  Stefan Hainzl

Ich bin fast sprachlos, dass ein Mediziner weit über die Grenzen der herkömmlichen Medizin hinwegsieht und weitersuchte……..
Und dass er dann noch damit in die Öffentlichkeit geht…
Gratulation….………!!!!!!!!!
Endlich bewegt sich was weiter…………im Jahr 2022

Ja auch ich habe bei mir ein Paradebeispiel von Medizin und Homäopathie erlebt….wo die Medizin daneben stand, aber ich will schon sagen, dass die herkömmliche Medizin auch sehr wichtig ist.
Man braucht beides! (Das war schon im Jahr 2003…..) Ich war sehr skeptisch, da es medizinisch nur eine Keule gab und die Ärzte mir keine gute Zukunft vorausgesagt haben….außer mit blutstillenden Mitteln und mein Gefühl mir sagte, da muss es noch was anderes geben und was hat das mit meinem Leben zu tun?
Genau das wär’s…
Die Honäopathie konnte mir mit Hochdosis helfen…natürlich kannte mich der Arzt sehr sehr gut.
Unglaublich….aber wahr….

Ich freue mich, dass ein herkömmlicher Mediziner seine wahre Lebensgeschichte, ja besser Krankheitsgeschichte erzählt und dann noch 1 Buch darüber schreibt und damit in die Öffentlichkeit geht.

Wie. M u t i g….. !!

Viele Menschen werden davon profitieren….Toll

Wo doch Corona viele Ärzte zum Schweigen gebracht hat…….

Förster Vera
8. Juni 2022 17:29
Antworte auf  Augustine Hauder

Hallo! Ich habe seit 2003 schubförmige MS .Hab Alternative Methoden versucht,da aber eine aktive MS,bin ich wieder bei der Schulmedizin.Kennt jemand einen guten Homöopathen?

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Ich bin Stefan, 45 Jahre alt, selbstständiger Mediziner und ÖSV Teamarzt der Nordischen Kombinierer. Verheiratet und Vater von drei Töchtern. Seit 2008 lebe ich mit der Diagnose MS. Ich nehme dich hier mit auf meine Reise in ein gesundes, beschwerdefreies Leben und teile all die Dinge mit dir, die mein Leben positiv beeinflussen und so auch deines verändern können.
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